Am 5. März 2012 hat die Grabungssaison im Steinbruch Ettling begonnen. Grabungsleiter Dipl.-Geol. Martin Ebert und vier ehrenamtliche studentische Grabungshelferinnen haben sich wieder auf die anstrengende Suche nach Fossilien gemacht. Die Grabung des Jura-Museums Eichstätt läuft seit Sommer 2007 und erbringt vor allem fossile Fische. Funde von größeren Fischen sind in Ettling selten und nur unter sehr großem Zeitaufwand zu machen. Da der weiche, vergleichsweise mürbe Stein von zahlreichen teils klaffenden und lehmgefüllten Klüften durchzogen ist, ist die Bergung der Fossilien oft nur als Ansammlung von Bruchstücken möglich. Entsprechend hoch ist der Präparationsaufwand. Dennoch lohnt sich der Einsatz aus wissenschaftlichen Gründen: Zum einen ist die Erhaltung der Fische ganz außerordentlich gut. In ihrem Detailreichtum und mit der teilweise auftretenden Farberhaltung übertrifft sie noch bei weitem die Funde aus der Region Eichstätt/Solnhofen. Zum anderen besitzt Ettling eine Fischfauna mit zahlreichen, bisher noch unbeschriebenen Arten. Dabei handelt es sich großenteils um frühe Vertreter der modernen Strahlenflosser (Teleostei), die in der Zeit des Oberen Jura begonnen haben, ihre heutige Vielfalt zu entwickeln. Daher erwarten sich Fischspezialisten, die die Sammlung des Jura-Museums regelmäßig besuchen, neue Erkenntnisse über die frühe Entwicklungsgeschichte der modernen Strahlenflosser, die in Ettling mit einer außerordentlichen Diversität vorkommen. Die besondere Detailliertheit der Fossilerhaltung ermöglicht auch die Untersuchung von biomechanischen und paläobiologischen Fragestellungen. Für all diese Forschungsarbeiten ist Ettling ein einzigartiges Fenster in die Erdgeschichte.

Bild: Steinbruch Ettling im März 2012