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Die erste Tagesexkursion des Jahres der „Freunde des Jura-Museums Eichstätt e. V.“ ging am Sonntag 14. April nach Stuttgart in das dortige Naturkundemuseum.

Die Sonderausstellung „Leben im Bernsteinwald“ war das wichtigste Ziel für den Ausflug, den Dr. Helmut Tischlinger wieder bestens vorbereitet hatte. Da die Bernsteinsammlung des Naturkundemuseums am Löwentor immens ist, bot die Sonderausstellung unter sachkundiger Führung beste Einblicke in die erhaltene Vielfalt der Objekte mit Insekten, Spinnen, Federn und sogar Fröschen oder Reptilien, die im Harz eingeschlossen wurden. Besonders interessant waren die unterschiedlichen Bernsteinvorkommen, vor allem aus der Dominikanischen Republik mit einem Alter von 16 Millionen, dem Baltikum mit etwa 40 Millionen und aus Burma mit 100 Millionen Jahren Datierung.

Diese verschiedenen Vorkommen bieten natürlich auch einen Reichtum an Tieren, Farbspektren und Größen. Alle zeitlichen Datierungen mit den örtlichen Vorkommen weltweit konnten über Multimedia abgerufen werden. Neueste Computertechnik macht es auch möglich, die eingeschlossenen Tiere im Harz dreidimensional sichtbar zu machen. Dies ist normalerweise bei Fossilien, die im Gestein oft durch Sedimentation verformt sind schwierig darzustellen.

Danach führte Dr. Günter Schweigert durch die Sammlungsräume des Naturkundemuseums und gab sowohl einen Einblick in die vielfältigen gigantisch großen Stücke von Ichthyosauriern mit Embryonen aus dem Posidonienschiefer als auch die Fossilien aus dem Nusplinger Plattenkalk, der einzigen Fundstelle von Plattenkalk in Baden-Württemberg.

Nach einer Mittagspause im Museumscafé konnten die Teilnehmer entweder weitere Bereiche des Naturkundemuseums mit einer paläontologischen-geschichtlichen Ausstellung vom Erdaltertum bis in die Neuzeit besichtigen oder das Museum Schloß Rosenstein mit Bereichen über Evolution, Lebensräume der Erde und der Vielfalt des Lebens. Über den Schloßpark gab es auch die Möglichkeit die Wilhelma, einen riesigen zoologisch-botanischen Garten mit 11.000 Tieren, einem der artenreichsten weltweit zu besichtigen.

 

Dirk Steffens in Ettling

Die Doku-Sendereihe Terra X des ZDF befasst sich mit spannenden Sachthemen. Derzeit wird an einem Beitrag über Versteinerungen gearbeitet. Dazu reiste ein Filmteam mit dem bekannten Moderator Dirk Steffens am Mittwoch, den 3. April 2019 in den Steinbruch Ettling. Bei strahlendem Wetter konnten Dirk Steffens und sein Team an der dortigen Forschungsgrabung des Jura-Museum Eichstätt teilnehmen. Mit dabei war einer der Pfeilschwänze aus den Aquarien des Jura-Museums, nebst einem versteinerten Verwandten der Solnhofener Plattenkalke. Die Ausstrahlung der fertigen Folge ist für das nächste Jahr geplant.

Fossilen Fische sind ein Schwerpunkt der Forschungen am Jura-Museum Eichstätt. Anfang 2019 ist eine weitere neue Fischart anhand von Material aus dem Jura-Museum beschrieben worden. Weitere Neubeschreibungen werden in Kürze erwartet. Die jetzt neu beschriebene Fischart gehört zur Fisch-Gattung Tharsis, eine der bekanntesten Fossilien der Solnhofener Plattenkalke. Bereits im 17. und 18. Jahrhundert finden sich Abbildungen dieser fossilen Fische in Büchern zur Naturkunde. Lange war nur eine Art, Tharsis dubius, bekannt. Zwei Paläontologen der University of Kansas (USA) und ein deutscher Wissenschaftler, aktives Mitglied des Fördervereins des Jura-Museum Eichstätt, beschrieben nun eine weitere Art. Sie untersuchten zwei Funde aus Schernfeld bei Eichstätt. Beide Stücke waren durch Dr. Uwe Eller ausgesprochen gut präpariert worden, wobei allein für den Holotypus rund 230 Stunden anfielen. Sie wurden vom Förderverein des Jura-Museum Eichstätt gekauft und dem Museum übergeben. Die neue Art unterscheidet sich in mehreren Punkten im Skelett von Tharsis dubius. Zusammen mit den Gattungen Ascalabos und Ebertichthys werden sie der Familie Ascalaboidae zugerechnet, einer ausgestorbenen Familie früher moderner Knochenfische. Ihre nächsten noch heute lebenden Verwandten sind die Osteoglossomorpha (Knochenzüngler) und Elopomorpha (Tarpunartige, Aalartige, Dornrückenaalartige und Grätenfischartige). Zu Ehren des Präparators benannten die Wissenschaftler die neue Art Tharsis elleri.

Die Publikation ist im Fossil Record, der paläontologischen Zeitschrift des Museum für Naturkunde Berlin veröffentlicht worden. Dieser Link führt zur Publikation.

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Holotypus von Tharsis elleri unter Normal-Licht, JME-SOS 08326, Länge ca. 200mm. Foto H. Tischlinger

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Holotypus von Tharsis elleri unter UV-Licht, JME-SOS 08326, Länge ca. 200mm. Foto H. Tischlinger

Das Jura-Museum Eichstätt ist vorübergehend geschlossen. Der Wissenschaftsbetrieb läuft weiter, die Ausstellung kann aber nicht besucht werden. Auch finden derzeit keine Workshops oder Führungen für gebuchte Gruppen oder Veranstaltungen und Vorträge statt. Bei Interesse an Workshops und Führungen wenden Sie sich bitte an das Sekretariat (08421-602980, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

 

In den rund 150 Millionen Jahre alten Plattenkalkablagerungen des Steinbruchs Ettling (Markt Pförring) wurde im Rahmen der aktuellen Forschungsgrabung des Jura-Museums Eichstätts eine sensationelle neue Fischart entdeckt. Ein Forscherteam des Jura-Museums Eichstätts, der australischen James Cook University und der Universität Erlangen haben nun diese Fischart untersucht und in Current Biology beschrieben: Die neue Knochenfischart besaß Zähne wie ein Piranha.

Mikroskopische Untersuchung und CT-Scans der Kiefer des Fossils zeigen lange, spitze Zähne entlang der Außenseite des Vomer (ein Knochen, der das Gaumendach bildet) und an der Spitze von Unter- und Oberkiefer. Die Präartikularknochen, die entlang der Seiten des Unterkiefers liegen, tragen dreieckige Zähne mit gezähnelten Schneidekanten.

Zahnmuster, Zahnform, Kiefermorphologie und Kiefermechanik deuten auf ein Maul hin, das, wie das internationale Forscherteam berichtet, ausgerüstet war, um Fleisch oder Flossen zu schneiden. Indizien weisen auf die Möglichkeit hin, dass sich diese frühen, Piranha-ähnlichen Fische der aggressiven Mimikry bedienten, sich also hinter einem scheinbar harmlosen Äußeren tarnten, um dann umso effektiver anzugreifen; eine erstaunliche Parallele zum Fressverhalten moderner Piranhas.

Besonders verblüffend: Der Fisch gehört zu einer ausgestorbenen Fischgruppe, die für pflasterartige Knackzähne bekannt sind. Es ist, als träfe man auf ein Schaf mit den Reißzähnen eines Löwen. Für Knochenfische ist diese Ernährungsweise sehr ungewöhnlich. Die Fleischfresser unter ihnen knacken normalerweise schalentragende Wirbellose oder schlucken ihre Beute – meist andere Fische – am Stück. Fleischstücke oder Flossen herausbeißen, das können nur extrem wenige.

Der neue Fund stellt die älteste Überlieferung eines Knochenfisches dar, der in der Lage war, Stücke aus anderen Fischen herauszubeißen. In denselben Plattenkalkablagerungen des Ettlinger Steinbruchs fanden sich auch die Opfer – Fische deren Flossen angebissen wurden. Dies ist eine erstaunliche Parallele zu modernen Piranhas, die sich überwiegend nicht vom Fleisch, sondern von den Flossen anderer Fische ernähren. Flossen wachsen nach; sie sind daher eine erneuerbare Nahrungsquelle.

Der neue Fisch Piranhamesodon pinnatomus ist im Jura-Museum Eichstätt ausgestellt.

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